Der falsch Zitierte

"Aber ich gestatte keinem, eine Äußerung aus den letzten drei Jahren
in wohlwollender Absicht zu zitieren, wenn er sich nicht verpflichtet,
an die Kontrolle des Nachdrucks wenigstens den hundertsten Teil der
Sorgfalt zu wenden, die ich an die Kontrolle des Drucks gewendet habe."
Karl Kraus, 1909

Neben Lichtenberg, Tucholsky, Einstein und Bismarck werden keinem deutschsprachigen Schriftsteller mehr Falschzitate unterschoben als Karl Kraus. Wir wollen hier sämtliche falsch zugeschriebenen und entstellten Karl-Kraus-Zitate sammeln, auch in Erinnerung daran, dass Karl Kraus Prozesse wegen falsch abgedruckter Beistriche führte sowie in Erinnerung an sein Bekenntnis: "Denn mir liegt auch dreißig Jahre nach meinem Tode mehr an einem Komma, das an seinem Platz steht, als an der Verbreitung des ganzen übrigen Textes."

Hier finden Sie alle bisher von Gerald Krieghofer identifizierten „Karl-Kraus“-Falschzitate.

Hinweise auf weitere Pseudo-Kraus-Zitate würden uns freuen.

Seiten

Der Unglückliche ist häßlich, besonders wenn er lacht.

"Der Unglückliche ist häßlich, besonders wenn er lacht." Karl Kraus (angeblich)

Niemand aus der Kraus-Forschung hat diesen Satz so oder so ähnlich je in einem Text von Karl Kraus entdecken können. Also wird der Spruch irrtümlich Karl Kraus zugeschrieben.

 

Quelle: 
http://falschzitate.blogspot.co.at/2017/04/der-ungluckliche-ist-halich-besonders.html

Sich-vorwärts-Tasten am Seil der Sprache / tapping along the guiding rope of language

Das Zitat stammt von Leopold Liegler und wurde von Gerda Lerner irrtümlich Karl Kraus selbst zugeschrieben. Es steht in Gerda Lerners Autobiografie "Fireweed" oder "Feuerkraut". Katharina Prager ist den Bezügen zwischen Karl Kraus und Gerda Lerner in dem Text „…the need to redefine and rethink…“ – Die Historikerin Gerda Lerner und der Sprachdenker Karl Kraus nachgegangen.
 

Quelle: 
http://falschzitate.blogspot.co.at/2017/04/sich-vorwarts-tasten-am-seil-der.html

Ein kurzer Fasching ist doppelt so lustig.

"Ein kurzer Fasching ist doppelt so lustig" Karl Kraus (angeblich)

Die 'Augsburger Allgemeine' am 12. November 2007 unter dem Titel:

"Narren unter Zeitdruck: Nach vier Wochen ist schon alles vorbei
Für Karl Kraus, den österreichischen Schriftsteller, hat ein verkürzter Fasching eher seine Reize, wie er in einem Bericht über den Wiener Fasching 1913 schreibt: "Ein kurzer Fasching ist doppelt so lustig." Denn er werde viel intensiver gefeiert."

Quelle: 
http://falschzitate.blogspot.co.at/2007/11/ein-kurzer-fasching-ist-doppelt-so.html

Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.

Als Ursprung für dieses entstellte Karl-Kraus-Zitat kommen zwei Aphorismen in Frage:

"Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können - das macht den Journalisten."
Karl Kraus: "Die Fackel" 281-282, 1909, 29

 und

"Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben: man muss ihn auch ausdrücken können."
Karl Kraus: "Die Fackel" 697-705, 1925, 60

Quelle: 
http://falschzitate.blogspot.co.at/2017/04/es-genugt-nicht-keine-gedanken-zu-haben.html

Früher standen sich die Menschen näher; die Waffen trugen nicht so weit.

"Früher standen sich die Menschen näher; die Waffen trugen nicht so weit." Karl Kraus (angeblich)

Ich danke Brigitte Stocker und Katharina Prager für den Hinweis auf dieses seltene Pseudo-Karl-Kraus-Zitat.

 

 

 

 

Quelle: 
http://falschzitate.blogspot.co.at/search?q=die+waffen+trugen

Ich blieb stumm; und sage nicht, warum.

"Ich blieb stumm; und sage nicht, warum."

George Steiner hat in seiner Rezension von Edward Timms' Monographie KARL KRAUS: APOCALYPTIC SATIRIST. (Volume Two: The Post-War Crisis and the Rise of the Swastika. Yale University Press: 2005) die Tradition der Verunstaltung der berühmtesten Verse von Karl Kraus extravagant fortgesetzt. In The Times Literary Supplement (TLS) war zu lesen:

"Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.
Ich blieb stumm;
und sage nicht, warum."


In der 'Fackel' 888 vom Oktober 1933 steht:
 

Quelle: 
http://falschzitate.blogspot.co.at/2007/11/ich-blieb-stumm.html