Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

Seiten

24. Vorlesung am 06.03.1912

06.03.1912
Wien

[Karl Kraus las] in Wien am 6. März, im Saale der »Kleinen Bühne« (Akademischer Verband), mit dem folgenden Programm: I. Jean Paul: Schluß des »Kampaner Tal« (mit einer kurzen Einleitung und einem Zitat aus Lichtenberg). — Shakespeare: Maß für Maß, erster Akt, Schluß der 2. Szene, zweiter Akt, 1. Szene. — Aus dem »Prozeß Veith« (Anrede an den Staat). II. Fahrende Sänger. III. Bergführer und Hopf oder Beginn einer Razzia auf Literarhistoriker. — Rhythmus eines österreichischen Sommers. — Die Glossen: Ritter Sonett und Ritter Tonreich / Blutiger Ausgang einer Faschingsunterhaltung.

25. Vorlesung am 22.03.1912

22.03.1912
Prag

[Karl Kraus las] in Prag am 22. März, veranstaltet von den Schriftstellern Willy Haas und Franz Janowitz, mit dem folgenden Programm: I. Shakespeare: aus »Timon«. — Jean Paul: aus dem »Kampaner Tal«. — Ostende, erster Morgen / Ein Gedanke und sieben Kreuzer / Die Vision vom Wiener Leben. II. Aus dem »Prozeß Veith«. — Die Glossen: Schlichte Worte / Riedau und Lido / Zur Erleichterung des Lebens / Der Deutlichkeit halber / Gefährlich / Hinaus! / Angesichts.

Rezension des Prager Tagblatt

Karl Kraus ist Freitag zum drittenmal als Vorleser nach Prag gekommen und von einem Kreise ausgewählter Intellektueller mit Begeisterung empfangen worden. Diesmal setzte er die Vorlesung aus eigenen Werken an den Schluß des Abends und begann mit Shakespeares »Timon von Athen«. Die Kunst des Wortes, die hier scheinbar losgelöst von der eigenen Produktion des Rezitators und im Dienste eines Fremden sich zu entfalten hatte, diente im Wesen doch Kraus’ eigener Persönlichkeit.

Signatur: 
L-137743

Rezension des Deutschen Abendblatt

Zuerst langweilte er eine Stnnde lang durch die Vorlesung einiger Szenen aus »Timon von Athen« u. vermittelte dabei die wertvolle Erkenntnis, daß die Athener im Dialekte der Jitschiner Handelsleute zu sprechen pflegten. Dann sagte er ein Kapitel aus dem »Kampaner Tal« im pathetisch-verständnislosen Tonfalle eines arroganten Sekundaners auf und las zuletzt eigene Geistesblitze. Zum Beispiel: daß die Oster- nummer des ‚Neuen Wiener Tagblatt‘ einen sehr großen Umfang habe. (Bewegung.) Schließlich nannte Herr Kraus die ‚Neue Freie Presse‘. Alles lachte.

Signatur: 
L-137743

Rezension der Narodni Listy

Karel Kraus v Praze. Břitký vídeňský satirik a krutý posuzovatel literatury, tisku, soudnictvi a veřejného života, přednášel v pátek večer pražskému obecenstvu. Po Shakespearovi a Jeanu Paulovi došlo na vlastni tvorbu hostovu, jmenovitě na jeho prudké, řezavé invektivy proti justici, literárním porotám a praktikám vídeňského tisku, jehož je vydavatel »Fackel« davným opovědným nepřitelem. Výbuchy smíchu, sledující neodolatelný satirický talent jeho, střídaly se s chvílemi, kdy se mu dařilo přenésti na obecenstvo část své vášně proti každé křivdě, ať vystupuje kdekoliv a kdykoliv.

26. Vorlesung am 02.05.1912

02.05.1912
Wien

[Karl Kraus las im Großen Musikvereinssaal.] Die am 2. Mai vom Akademischen Verband für Literatur und Musik im Großen Musikvereinssaal veranstaltete Nestroy-Feier brachte: I. Gedenkrede: »Nestroy und die Nachwelt« (Manuskript). — Couplets, Monologe und Szenen aus Nestroys Werken: »Höllenangst« (Wendelin); »Papiere des Teufels« (Federl); »Die verhängnisvolle Faschingsnacht« (Lorenz, Jakob, Everl, Frau v. Schimmerglanz, Bedienter). II.