Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

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Rezension des Grazer Volksblatt

Eine eigenartige Persönlichkeit hat sich Sonntag den Grazern vorgestellt, Karl Kraus, der gefürchtete Herausgeber der ‚Fackel‘. Ist einer der modernsten Schriftsteller. Und doch wird er von der fortschrittlichen Presse totgeschwiegen. Er hat das fluchwürdigste Majestätsverbrechen begangen, er hat gelästert wider den Götzen der freisinnigen Intelligenz, er hat die allmächtige ‚Neue Freie Presse‘ bekämpft! Sich diesen Kampf zur Lebensaufgabe gemacht … Glaubt nicht an Heinrich Heine!!

Signatur: 
L-137743

22. Vorlesung am 02.03.1912

02.03.1912
Triest

[Karl Kraus las] in Triest am 2. März, im Saale des »Schiller-Vereines« mit dem folgenden Programm: I. Der Traum ein Wiener Leben. — Aphorismen und Glossen (Der kleine Brockhaus / Ein Gedanke und sieben Kreuzer / Ostende, erster Morgen / Die Vision vom Wiener Leben / Vorstellung eines Tages der Kindheit. — Die Welt der Plakate. II. (mit Zugaben): Der Biberpelz. — Die Glossen: Der Deutlichkeit halber / Zur Erleichterung des Lebens / Wiener Totschlag / Gefährlich / Teilnehmer an der Tafel erzählen / Zweiunddreißig Minuten / Angesichts / Schlichte Worte / Der Grubenhund.

23. Vorlesung am 04.03.1912

04.03.1912
Graz

[Karl Kraus las im Rittersaal.] I. Der Biberpelz. — Unter Räubern. — Von den Schmetterlingen (aus »Sprüche und Widersprüche«). — Erdbeben. II. Aphorismen aus »Pro domo et mundo«. — Die Glossen: Blutiger Ausgang einer Faschingsunterhaltung / Wahrung berechtigter Interessen / Ein Satz / Allerlei Überraschungen für den Lord-Mayor / Wozu / Ein Fiebertraum. — Als Zugaben: Vision vom Wagentürlaufmacher / Zweiunddreißig Minuten / Angesichts / Das Ehrenkreuz. [Die Fackel 345-346, 31.03.1912, 15-16] - zitiert nach Austrian Academy Corpus

Rezension des Grazer Volksblatt

Der zweite Kraus-Abend enttäuschte … die Ursache »Presse« für das Aussterben von Wald und Schmetterlingen, die merkwürdig aufgeregte Entrüstung über die Bauernfeldpreisverteilung und viel Empörung über Dinge, die natürlich und klar sind; entweder der Pflicht des Journalisten oder den Wünschen der Leser entsprechen, die doch schließlich außer den Lehren von Karl Kraus-Größen auch ein wenig berücksichtigt werden möchten. Denn streng genommen, ist die Presse doch für die Leser da und nicht für die ‚Fackel‘?

Signatur: 
L-137743