Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

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Rezension der Reichspost

.... Man kann sich in Wien nicht mehr darauf verlassen, daß der große Musikvereinssaal vor Überfüllung sicher ist, wenn er eine von der Großpresse totgeschwiegene Veranstaltung beherbergt. Man konnte es gestern neuerlich staunend konstatieren: Die Mißachtung der Börseanerpresse ist sogar tief in jene Bevölkerungsschichten vorgedrungen, deren Gesichtszüge eine solche Gegnerschaft und innere Freiheit nicht im mindesten ahnen lassen. Karl Kraus also hielt im Großen Musikvereinssaal, der gestern viel zu kleine war, die Gedenkrede: »Nestroy und die Nachwelt«.

Signatur: 
L-137743

Rezension des Tagesboten Brünn

.... Eine ungleich bedeutendere und eindrucksvollere Nestroyfeier war die, die der Satiriker Karl Kraus im großen Musikvereinssaale abhielt. Kraus sprach über das Thema »Nestroy und die Nachwelt«. Sein wahrhaft kongenialer Vortrag ist inzwischen in Nr. 349/350 der ‚Fackel‘ erschienen, so daß jedermann das kleine Meisterwerk nachprüfen und genießen kann.

28. Vorlesung am 23.05.1912

23.05.1912
Wien

[Karl Kraus las in] Wien, im Kleinen Musikvereinssaal am 23. Mai. Programm und Zugaben: I. Vorwort. — Nestroy: Szenen aus: »Die beiden Nachtwandler, oder: Das Notwendige und das Überflüssige«, Posse in zwei Akten. — Entree des Wendelin aus »Höllenangst« / Monolog des Kasimir aus »Heimliches Geld, heimliche Liebe« / Entree des Kern aus »Der alte Mann mit der jungen Frau« (statt des Monologs aus »Unverhofft«) / Monolog des Herrn Cichori aus »Gewürzkrämerkleeblatt« / Entree des Federl aus »Papiere des Teufels«. II. Karl Kraus: Der Traum ein Wiener Leben.

Rezension der Wiener Mittagszeitung

(Vorlesung Karl Kraus.) Es war nicht die erste. Vielmehr in dieser Saison allein bereits die fünfte, die der streitbare Satiriker als Gast des akademischen Verbandes gehalten hat. Die ungewohnte Methode dieser Veranstaltungen, die sich sozusagen lediglich von innen heraus vollziehen, hat bis jetzt die Presse auch als Referentin ferngehalten. Heute, da diese Rezitationen zur Institution geworden sind, wäre ein weiteres Schweigen deplaciert. Schon der unleugbar eminenten künstlerischen Bedeutung dieser Abende gegenüber.

Signatur: 
L-137743

30. Vorlesung am 15.10.1912

15.10.1912
Wien

[Karl Kraus las im Kleinen Musikvereinssaal.] Im Kleinen Musikvereinssaal hat am 15. Oktober eine Vorlesung mit dem folgenden Programm stattgefunden: I. Wie verschiedene Köpfe verschieden über die Presse denken / Glossen: Stadtverordnete besuchen Gemeinderäte — Geständnisse — Ein Stern ist aufgegangen — Emilisa — Man muß die Leute ausreden lassen — Auf der Suche nach Fremden — Ich pfeife auf den Text — Petite chronique scandaleuse / Der Ton. II. Vorwort; Harakiri und Feuilleton / Glossen: Bitte, das ist mein Recht u. s. w.

35. Vorlesung am 18.12.1912

18.12.1912
Wien

[Karl Kraus las in] Wien, im Kleinen Musikvereinssaal am 18. Dezember: I. Unsere Verwendbarkeit für China; Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es; Der Diplomat; Der König von Montenegro / Und in Kriegszeiten / Untergang der Welt durch schwarze Magie (aus S. 6—23) II. Herbstzeitlosen oder: Heimkehr der Sieger (Manuskript) mit Vorwort III. Aus der Aphorismenreihe »Nachts« / Der Dichter der Pippa und des Hannele; Durch Bahr zur Suffragette geworden. — Zugaben: Das Ehrenkreuz; Der Deutlichkeit halber; Der Bär; Zweiunddreißig Minuten.