Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

17. Vorlesung am 09.12.1911

09.12.1911
Teplitz-Schönau

[Karl Kraus las im Leseklub.] Der Traum ein Wiener Leben / Der Biberpelz / Die Welt der Plakate / Die chinesische Mauer / Das Ehrenkreuz etc. [vgl. Die Fackel 339-340, 30.12.1911, 24-25] - zitiert nach Austrian Academy Corpus

Rezension der Teplitzer Zeitung

.... Am Vortragstisch saß, wie weit entrückt, Karl Kraus. Bedächtig, professoral, leidenschaftslos begann er die Groteske »Der Traum ein Wiener Leben« zu lesen, immer leb- und leibhaftiger werdend, bis er am Ende wie ein losspringender Tiger in langgestreckten wuchtigen Sätzen über die künstlichen Frisuren und glatten Köpfe, über Straßen und Plätze hinwegzurasen schien, von einem Fiebertraum durchschüttelt.

Rezension der Deutschen Zeitung

Karl Kraus hat in Teplitz keine Gemeinde, aber alle, die das Erscheinen einer neuen ‚Fackel‘ mit Ungeduld erwarten, werden dem »Teplitz-Schönauer Leseklub« für den genußreichen Abend am vergangenen Samstag Dank wissen. Einen Meister des Worts und der Satire zu hören, ist ein Genuß. Karl Kraus kurzweg einen »Nörgler« zu nennen, ist grundfalsch. Kraus ist eine Zeiterscheinung, und sein Totgeschwiegenwerden in der Wiener Presse wird daran nichts ändern. [...] Es wäre zu wünschen, daß er die begeisterte Anhänglichkeit der Jugend durch ein größeres Werk rechtfertigt.

Rezension des Teplitz-Schönauer Anzeiger

...Wohl kaum ein zweiter Schriftsteller hat es zu derartiger weitverbreiteter Verhaßtheit gebracht, wie Kraus, der allerdings anderseits auch glühende Anhänger fand ....Mag sein, daß Kraus ein großer Stilist, jedenfalls ist er der größte Nörgler, den Österreich je erlebt hat …Auch in Teplitz haben wir eine kleine Krausgemeinde, die für ihn durchs Feuer geht ....Er las ..

Signatur: 
H.I.N.-202688