Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

Erinnerung von Ferdinand Ebner

In den bewegten Tagen des November 1918 hörte ich zum erstenmal eine Kraus-Vorlesung. [...] Wir hatten vortreffliche Sitze, ganz knapp vor dem Podium. Zunächst unterhielten wir uns mit Loos. Dann kam Kraus – und ich war sehr enttäuscht, nicht nur von seinem Äußeren. [...] Mir mißfiel die Stimme und das Pathos, mit dem er seine Gedichte las.

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Erinnerung von Bruno Frei

Die roten Halbbogenplakate an den Litfasäulen zogen mich magisch an. Die fettgänzenden schwarzen Lettern hatten seit einiger Zeit Gewalt über mich. Es war wie ein geheimes Zeichen, verständlich nur den Eingeweihten, die an der Entrückung teilhaben durften: „Vorlesung Karl Kraus“. ...

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Rezension des Vorwärts

Karl Kraus las aus seinen Dichtungen an zwei Abenden für die hungernden Wiener Kinder. Gestern im Meistersaal. Vor einer dichtgedrängten Masse. Und es gehört zum Bilde, zu sagen, daß sie ganz aus den jungen Lebensaltern bestand. Also: die Generationen der nächsten Zukunft drängen sich nach seinem Wort. Und dies Wort ist Sonnewollen und Frühlingsbegehren, und es ist Bruch mit dem, was gestern übermächtig war, auffliegender Helldrang und schonungslos richtender, hinrichtender Bruch.

Rezension der Vossischen Zeitung

Karl Kraus, der Mann der Wiener »Fackel«, las im Bechsteinsaale vor einem Kreise treuer Hörer. Ihrem Enthusiasmus bot er zwei Akte aus Hauptmanns »Webern« und den Epilog seiner eigenen Kriegsdichtung »Die letzten Tage der Menschheit«.

Rezension der Münchener Post

Vorlesung Karl Kraus. Am Donnerstag abend hatte der Münchener Verleger Kurt Wolff eine Anzahl Gäste zu einer Karl Kraus-Vorlesung in das Lesezimmer seines Verlagshauses gebeten. K., einigen, nicht allzuvielen, hier kein Unbekannter, stellte sich diesmal nicht als der gefürchtete angriffslustige Essayist, sondern als Dichter und Interpret vor. Er las eine Anzahl eigener Gedichte voller musikalischer Klangschönheit, dichterischer Bildhaftigkeit und rhythmischer Kraft.

Erinnerung von Kurt Wolff

„Eine andere Begegnung, an die ich mich erinnere, ist ein Besuch von Kraus in München, Ende Januar 1920. Er hielt damals seine Vorlesungen aus eigenen Schriften, im ... Saal des Kurt Wolff Verlags ... Der Saal, der etwa 150 Personen faßte, war gestopft voll. Nach der Vorlesung (die nicht öffentlich war, sondern für die ich Einladungen verschickt hatte) reichte Kraus nur einem einzigen Anwesenden die Hand: Theodor Haecker.“

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