Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

Seiten

Rezension des Berliner Börsen-Couriers

Vor dem Verein für Kunst erschien gestern abend im Salon Cassirer eine interessante Wiener Persönlichkeit, der Herausgeber der ‚Fackel‘, Karl Kraus. Er las zuerst eine Reihe von Aphorismen vor. Sie frappierten durch ihre Eigenart, ihre originelle Bizarrerie, vielfach durch ein Wetterleuchten des Tiefsinns, dem man nur in der Eile nicht gleich nachgehen konnte. So war es anfangs. Dann beging aber Kraus einen seltsamen, einen unbegreiflichen Fehler: er gab das Geheimnis seiner Kunst preis, er enthüllte seine »Mache« wie ein Taschenspieler, der das Wie seiner Tricks dem Publikum aufdeckt.

Rezension der Zeit am Montag

Ein Kulturkämpfer. In Wien kämpft seit über zehn Jahren mit fast übermenschlicher Kraft und Ausdauer ein Mann gegen alles das, was der Durchschnittsmensch der Gegenwart »Kultur« nennt. Er gibt eine Zeitschrift, ‚Die Fackel‘, heraus, ein Organ, das — fast ausschließlich vom Herausgeber selbst geschrieben — an Kühnheit und Selbständigkeit seinesgleichen sucht.

1. Vorlesung am 13.01.1910

13.01.1910
Berlin

[Karl Kraus las in Berlin im Salon Cassirer.] Am 13. Januar habe ich im »Verein für Kunst« zum erstenmal aus meinen Schriften gelesen, und zwar aus dem Buch »Sprüche und Widersprüche« und die »Chinesische Mauer«. [Die Fackel 294-295, 31.01.1910, 28] - zitiert nach Austrian Academy Corpus

2. Vorlesung am 17.01.1910

17.01.1910
Berlin

[Karl Kraus las in Berlin im Salon Cassirer.] Der zweite Vortrag hat am 17. Januar über Einladung des Vereins »Freie Studentenschaft der Universität Berlin« — gleichfalls im Salon Cassirer — stattgefunden. Ich las, vor einem ungewöhnlich empfänglichen Auditorium, Aphorismen, »Die Entdeckung des Nordpols«, die »Molybdänomantie« (aus der ersten Harden-Schrift) und zum Schluß aus dem Harden-Lexikon. [Die Fackel 294-295, 31.01.1910, 36-37] - zitiert nach Austrian Academy Corpus

Rezension der Deutschen Tageszeitung

Karl Kraus aus Wien, der Fackel-Kraus, von dessen eigenartigem Schaffen und Wesen wir unsere Leser nicht ungern wiederholt unterrichtet haben, las am Donnerstag im Kunstsalon Cassirer Aphorismen und Satiren vor. Die sehr elegant in Stahl gearbeiteten Gedanken des Wiener Gastes, lauter mit Dynamit gefüllte Kunstwerke, wirken vom Katheder aus nicht mit der dämonischen Gewalt, die sie auf den Leser ausüben. Nur die gröberen, die handgreiflichen Pointen zünden, und das ist in unserem Fall schade, weil sie kein klares Bild des Verfassers geben.

3. Vorlesung am 20.01.1910

20.01.1910
Berlin

[Karl Kraus las in Berlin im Salon Cassirer.] Am dritten Abend — im »Verein für Kunst« — am 20. Januar, las ich einige Aphorismen, den »Fortschritt«, die »Welt der Plakate« und die »Chinesische Mauer«. [Die Fackel 294-295, 31.01.1910, 37] - zitiert nach Austrian Academy Corpus

Brief Hans Winge an Karl Kraus

"[...] Wir sind, um Ihrer Sonntag-Vorlesung beiwohnen zu können, von Berlin hierher gekommen und können es nicht unterlassen, Sie im Namen vieler Berliner Gesinnungsfreunde zu bitten, doch endlich wieder auch in Berlin zu lesen! [...]"

Signatur: 
H.I.N.-242652
AutorInnen: