Die Rechtsperson

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

Seiten

15. Vorlesung am 06.11.1911

06.11.1911
Wien

[Karl Kraus las im Beethoven-Saal. Der Abend] hat, veranstaltet vom Akademischen Verband für Literatur und Musik, am 6. November vor fast tausend Hörern im Beethoven-Saal stattgefunden. Das Programm, auf dessen Rückseite zur Einführung zwei Aphorismen aus »Pro domo et mundo« und Stellen aus Kritiken gesetzt waren, die sich auf das Verständnis der Distanz zwischen stofflichem Anlaß und künstlerischer Gestaltung beziehen, kündigte die folgenden Satiren, Glossen und Aphorismen an: I.

Rezension der Köbenhavn

Ein Karl Kraus-Abend

Von Karin Michaelis

Man hatte mir vorher gesagt: Gehen Sie nichthin, Sie werden nichts davon verstehen. Aber das war ein Irrtum. Ich verstand vieles, vielleicht die Hälfte, vielleicht nur ein Viertel. Aber was ich verstand, möchte ich nicht um vieler Premieren-Abende willen versäumt haben. Es war ein Erlebnis, und wer von uns sammelt nicht Erlebnisse?

Signatur: 
L-137743
AutorInnen: 

Rezension des Ton und Wort

Die Schwierigkeit, Karl Kraus zu ignorieren, wächst. Denn sein Publikum tut nicht mit, dieses Publikum, das ihm über neunhundert Köpfe stark am letzten Vorleseabend im Beethovensaal immer wieder zujubelte und durch ungestümen Beifall ihn fast eine Stunde länger als die gesetzte Zeit festhielt. Das ist eine durch kein offizielles Gazettenschweigen wegzuschaffende Tatsache.

Karin Michaelis

Journalistin, Schriftstellerin

* 20. März 1872 in Randers als Katharina Marie Bech-Brondum; † 11. Januar 1950 in Kopenhagen

Biographische Verweise durch die GND 11539396X:

20. Vorlesung am 05.02.1912

05.02.1912
Wien

[Karl Kraus las im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereins.] Am 5. Februar, veranstaltet vom Akademischen Verband für Literatur und Musik, eine Vorlesung im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines: I. Jean Paul: Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht (die letzten Seiten aus dem »Kampaner Tal«, die auf dem Programm vorbehalten waren, wurden nicht gelesen). II. Shakespeare: die ersten drei Akte aus dem »Timon« (Dorothea Tieck) mit Weglassung weniger Szenen und Stellen. Die Clownszenen aus »Liebes Leid und Lust« (aus dem 3. und 4. Akt, Baudissin). III.

Rezension der Arbeiter-Zeitung

Leseabend Karl Kraus. In seinem Leseabend, der am letzten Montag im Saale des Architektenvereines stattfand, wollte Karl Kraus nur seine Kunst des Vorlesens bewähren: er verzichtete auf den Reiz, der aus der Vorlesung eigener Werke erfließt, und wählte Bruchstücke aus Jean Paul, Shakespeare und Luther, bei denen die Kunst des Vortrages den entfremdeten Stoff überwinden mußte.

Rezension des Il Piccolo

La conferenza Kraus al Casino Schiller. E’ stata, più che una conferenza, una chiacchierata; ma una chiacchierata di persona geniale: interotta spesso per saltare di palo in frasca; ma legata da un’inesauribile vena di umorismo: d’un umorismo acre, tagliente, di pretta marca tedesca. La vita delle grandi città moderne, del grande giornalismo, della moderna società borghese, la sua stessa vita privata di giornalista e di scrittore: ecco le fonti ove il conferenziere attinse motivi umoristici felicissimi.