Publikum

Der Vorleser

1892/1910 - 1936

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Rezension der Münchener Neuesten Nachrichten

Seit etlichen Jahren, wenn es auf den Frühling zugeht, kommt Karl Kraus aus Wien. Und die nicht allzu große, aber begeisterte Gemeinde, die er hier besitzt, versammelt sich mit starken Erwartungen. Immer wieder fesselt das Schauspiel, diesen großen Hasser sich an den zahllosen Gegenständen seines Ingrimms entzünden und sich in die wildeste und heute denkbar konsequenteste Opposition zu einem Zeitalter setzen zu sehen, das er verachtet.

Rezension der Münchener Post

Vorlesung Karl Kraus. Am Donnerstag abend hatte der Münchener Verleger Kurt Wolff eine Anzahl Gäste zu einer Karl Kraus-Vorlesung in das Lesezimmer seines Verlagshauses gebeten. K., einigen, nicht allzuvielen, hier kein Unbekannter, stellte sich diesmal nicht als der gefürchtete angriffslustige Essayist, sondern als Dichter und Interpret vor. Er las eine Anzahl eigener Gedichte voller musikalischer Klangschönheit, dichterischer Bildhaftigkeit und rhythmischer Kraft.

Erinnerung von Kurt Wolff

„Eine andere Begegnung, an die ich mich erinnere, ist ein Besuch von Kraus in München, Ende Januar 1920. Er hielt damals seine Vorlesungen aus eigenen Schriften, im ... Saal des Kurt Wolff Verlags ... Der Saal, der etwa 150 Personen faßte, war gestopft voll. Nach der Vorlesung (die nicht öffentlich war, sondern für die ich Einladungen verschickt hatte) reichte Kraus nur einem einzigen Anwesenden die Hand: Theodor Haecker.“

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Erinnerung von Rudolf Fernau

Eine fast klein zu nennende Gestalt mit etwas hochgezogener linker Schulter, einem versenkten Privatgelehrtengesicht und verhängten Augen hinter dicken Brillengläsern setzt sich unter tosendem Willkomm-Applaus, den er nur mit einem lässig beiläufigen Kopfnicken registrierte, an den Vorlesetisch. Alarmiert spitzte ich die Ohren, als er begann. Wo und wann war dieser nasale Fanfarenton schon an mein Ohr gedrungen? Wo hatte ich dieses erregende Stimmtimbre schon gehört und noch nicht vergessen?

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